Montag, 5. August 2019

Vorstellung Linda





Hallo zusammen!!!

Ich bin Linda, 19 Jahre alt und wohne im Kreis Warendorf, in Oelde. Dort lebe ich zur Zeit mit meine Eltern und Lucy unserem Hund. Ich habe noch zwei ältere Schwestern, die nicht mehr bei uns wohnen.
In meiner Freizeit koche ich und lese gerne, treffe mich mit Freunden und trainiere Kinder in Leichtathletik im LV Oelde.
2019 habe ich mein Abitur bestanden und bin jetzt für ein Jahr in Ruanda.

Ich hatte schon immer vor, nach der Schule ins Ausland zu gehen. Als ich auf das Bistum Münster aufmerksam geworden bin, hat mich das Projekt in Ruanda direkt interessiert. Ich möchte evtl. nach dem FSJ Sonderpädagogik studieren und denke, dass ich nach dem Jahr ganz genau weiß, ob ich es wirklich machen möchte. Die tägliche Arbeit wird mir zeigen, wie mit Menschen mit Behinderung gelernt wird und Fortschritte gemacht werden.
Ich bin sehr gespannt welche Erfahrungen ich machen werde. Sei es bei der Arbeit oder während des Reisen.

Sonntag, 4. August 2019

Vorstellung Larissa

  Hallo zusammen! 


Mein Name ist Larissa Mersmann und bevor wir damit beginnen diesen Blog weiterzuführen, möchte ich mich zunächst einmal vorstellen.


Ich bin 18 Jahre alt und komme aus Billerbeck, einer kleinen Stadt in der Nähe von Münster. Dort lebe ich auf einem Hof mit meinen Eltern, meinem Bruder, meiner Schwester und meinem Onkel, welcher mit Down-Syndrom geboren wurde.
In meiner Freizeit treffe ich mich gerne mit Freunden, gehe mit unseren Hunden spazieren, gehe babysitten oder jobbe gelegentlich in einem Hotel.
Da ich im Juli mein Abitur bestanden habe, habe ich mir davor oft die Frage gestellt, was ich danach machen möchte. Dadurch bin ich dann auf die Idee gekommen einen Freiwilligendienst zu absolvieren, welcher mir als Orientierung für meine Zukunft helfen könnte. Schließlich hat mich die Idee dann zu diesem Projekt nach Ruanda geführt.
Jetzt bin ich sehr gespannt auf das bevorstehende Jahr, wobei ich auf viele neue Eindrücke und spannende Erfahrungen hoffe, die ich mit euch teilen kann.

Montag, 8. Juli 2019

365 Tage gehen zuende..



Mwiriwe neza!😊

Nach langer Zeit melden wir uns mit vielen Neuigkeiten! Es ist einiges im Center passiert und gleichzeitig denken wir schon viel an unseren Abschied und bereiten alles für die Rückreise und die gemeinsame Übergangswoche mit unseren Nachfolgerinnen vor.

Aber nun von Anfang an:

Bei uns in der Klasse hat sich etwas verändert: Wir haben zusammen mit der Lehrerin Constantine den Klassenraum ein wenig umgestaltet. Wir haben das sich im Klassenraum befindende Bällebad in eine andere Ecke des Klassenraumes verfrachtet, die Klasse gesäubert, sortiert und Gegenstände, die wir nicht mehr brauchten entfernt. Nun haben wir mehr Platz. Diesen Platz lassen wir aber nicht nutzlos, sondern wir wollen drei weitere Schüler/-innen in die Klasse integrieren. Somit ersteinmal: Herzlich Willkommen an unsere drei jungen Schüler/-innen, wir hoffen ihr lebt euch in unseren Klassenverband gut ein und gestaltet den Unterricht mit uns mit !!






(Zudem konnten wir den Individual- Raum weiterhin ausprobieren, und haben nun einen festen Plan erstellt, wie dieser in Zukunft genutzt werden soll.)

Vom Dienstag den 18.06 an bis bis zum Donnerstag den 27.06 hatten wir außerdem die jährliche „Evaluation“. In diesen Tagen saßen wir zusammen mit der Lehrerin Constantine, dem Physiotherapeuten Sylvain, der Oberschwester Sr. Emeritha und weiteren Schwestern zusammen, um über jeden einzelnen Bewohner zu sprechen. Dabei haben wir die Fortschritte und Veränderungen festgehalten und geschaut, welche Ziele nun verfolgt werden können. Des Weiteren haben wir zu jeder Person individuelle Zukunftspläne für die kommenden 12 Monate erarbeitet, bezüglich der Klasse, sowie in der Physiotherapie, als auch im sozialen Verhalten und Alltagsleben.

Auch in der Physio gibt es eine Veränderung: Nach vielem Hin und Her, wurde es uns schlussendlich ermöglicht eine Sprossenwand in den Physiotherapieraum einzbauen. Wir sind sehr froh, dass dieses Projekt doch noch geklappt hat und auch der Physiotherapeut freut sich über die neuen Möglichkeiten, die sich nun für die phyiotherapeutischen Arbeiten im Center bieten.

Außerdem befindet sich im Center eine Bewohnerin im Center, von der wir bereits in einem vorherigen Blogeintrag berichtet haben. Sie verfolgt den Traum, später Journalistin zu werden und möchte dies auch studieren. Um ihr dies zu erleichtern, haben wir ihr einen Laptop zukommen lassen. Diesen kann sie bereits auch jetzt in ihrem letzten Schuljahr nutzen. Der Vorteil: Lehrer oder Klassenkameraden sind nicht dazu angehalten, für sie zu schreiben, sie kann während des Schulalltags eigenständiger arbeiten und auch außerhalb der Schulzeit ihre Interessen (wie Geschichten oder Artikel schreiben) verwirklichen, ohne, dass sie an eine zweite Person gebunden ist. (Ihr fällt das halten eines Stiftes und dementsprechend das Niederschreiben schwer.).



Mal kurz etwas anderes:



Es ist schon Juli, das heißt, dass unsere Zeit hier in Kigali und in Gahanga sich dem Ende nähert. Unser Rückflug ist schon gebucht. Also werden wir uns in ca 3 Wochen in Deutschland wiedersehen. Doch vorher haben wir ein paar Tage, um unsere beiden Nachfolgerinnen in dem Projekt einzuarbeiten, ihnen das Leben hier in Kigali zu zeigen und ihnen beim Einleben helfen. Linda Heinrich und Larissa Mersmann sind die neuen Freiwilligen und werden am 22.07 ankommen. Wir sind schon sehr gespannt, die beiden kennen zu lernen! Beide werden genau diesen Blog weiterführen.
Damit nähert sich auch unser Abschied vom Center und von unseren Bekannten und Freunden, die uns in unserem Jahr hier begleitet haben. Wir können noch nicht glauben, dass ein Jahr tatsächlich in einigen Wochen bereits vorbei sein soll, wir hatten dafür eine absolut wundervolle Zeit. 

Eine schöne Woche euch allen!









Mittwoch, 22. Mai 2019

News !!!



Muraho neza!

In diesem Blogeintrag wollen wir über einige Neuigkeiten aus dem Center berichten:

Wir haben mithilfe von Spenden zwei neue angepasste Rollstühle anfertigen und vier Rollstühle umbauen lassen, damit sie größere Reifen haben und auch für außerhalb der Räumlichkeiten und des Centers selbst benutzt werden können. Dies war uns sehr wichtig, da nun alle Bewohner einen ausgehfähigen Rollstuhl haben, um zum Beispiel mit zu den centereigenen Kühen und Hühner zu gehen oder einfach einen Spaziergang um das Center herum machen zu können. Für einige Bewohner ist es das erste Mal, dass sie die Möglichkeit bekommen, das Grundstück des Centers zu verlassen. 
Ein Vorher - Nachher Vergleich:

      






Weitere neue Rollstühle:
 

Außerdem haben wir für den Essenssaal neue Matten für den Boden beschafft, die beim Essen anreichen benutzt werden, da manche Bewohner während des Essens nicht in ihren Rollstühlen bleiben können oder wollen.









Eines unserer wichtigsten Kleinprojekte konnte außerdem nun vollendet werden und wurde in dieser Woche auch schon feißig ausprobiert. Und zwar haben wir neben dem Klassenraum einen weiteren kleinen Raum. Er wurde bis jetzt als Abstellkammer genutzt und viele verschiedene Dinge wurden darin verstaut. Nun wurde er zum Teil ausgeräumt. Ein ganz kleiner Teil dient immer noch als „Rumpelkammer“ aber der vordere Teil wurde zu einem weiteren Unterrichtsplatz für ganz individuelle Aufgaben umfunktioniert. Es befindet sich nun ein großer Tisch darin aber auch ein Regal auf Höhe der Kinder und Bewohner im Rollstuhl. Dadurch kann er in der Unterrichtzeit genutzt werden aber auch im Nachmittagsbereich . Die Bewohner können dann eigenständig den Raum nutzen und sich Bücher oder Spielzeug selber aussuchen und herausnehmen. So kann die Selbstständigkeit, sowie auch die Entscheidungsfähigkeit und der „korrekte“ Umgang mit Materialien (sprich: Materialien nicht kaputt machen und nach der Nutzung von Büchern oder Spielzeug diese wieder aufräumen) der Bewohner gefördert werden.
….das üben wir nochmal....

Die Montessouri- Wand, von der wir bereits in einem vorherigen Blogeintrag gesprochen haben, wurde ebenfalls in dem Raum an einer  Wand angebracht, damit diese auch eigenständig von allen benutzt werden kann. Wir haben bereits zusammen mit der Lehrerin Constantine einen ersten Plan erstellt, welcher die Nutzung des Raumes strukturiert. Eine von uns wird diesen Raum zwischen neun und zehn Uhr mit einem Schüler oder einer Schülerin nutzten, während in dieser Zeit mit der Lehrerin im eigentlichen Unterrichtsraum Frontalunterricht stattfindet. Nach dem Frontalunterricht in der individuellen Phase, unterstützen wir allerdings dann wieder die Lehrerin in der Klasse. Wir wollen den Raum nun weiter gestalten und einrichten, doch wir sind schon sehr zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis und freuen uns darauf die Vorteile des Raumes nutzen zu können.










Desweiteren gibt es in Kigali eine Organisation namens „Talking through art“ („ Reden durch/ über/ mithilfe von Kunst“), bei der überwiegend Frauen aber auch einige Männer mit einer Behinderung Handcraft, also traditionelle selbstgemachte Körbe, Deko und vieles mehr, herstellen, um diese dann zu verkaufen und ihr eigenes Geld zu verdienen. Die Teilnehmer treffen sich in einem Center, um gemeinsam am Morgen englisch zu lernen, zu kochen und den restlichen Tag bis zum Abend an ihren Gegenständen zu arbeiten. Wir hatten vorher schon viel gutes über diese Organisation gehört und sie uns angeschaut. Wir waren sehr begeistert und hatten von vorhinein einen Plan, den wir verwirklichen wollten. Wir haben dabei an zwei erwachsene Frauen aus dem Center in Gahanga gedacht, die schon dort in ihrer Freizeit Armbänder und Ketten hergestellt, sowie kleine Taschen gehäkelt haben. Kurzum haben wir die Leiter der Organisation gefragt, ob diese beiden Frauen auch für zwei Tag die Woche kommen dürften. Nun besuchten sie bereits zwei Wochen lang für jeweils zwei Tage „Talking through art“ und sind sehr glücklich, mit anderen Menschen außerhalb des Centers in Kontakt treten und ihr Hobby zu einer Art Job entwickeln zu können.
Für die zwei Frauen sind dies wichtige Schritte des Erwachsen-Seins, der Eigenständigkeit und der Inklusion in die Gesellschaft durch den Kontakt zu anderen Teilnehmern der Organisation.

Hier gibt es einen Link zu der Homepage und Facebookseite der Organisation:


Wir hoffen, dass sie sich beide sehr schnell dort wie zuhause fühlen und ihre Fähigkeiten entwickeln können.

Liebe Grüße an alle und bis zum nächsten Mal !! 😊



Mittwoch, 24. April 2019

memorial-week


Muraho,

In diesem Blogeintrag möchten wir über Rwanda und die Geschichte sprechen. Der gegebene Anlass ist die „memorial-week“, welche jährlich vom 07.-14. April stattfindet.
In dieser Woche gedenkt die Bevölkerung Rwandas den Opfern des Völkermordes gegen die Tutsi vor 25 Jahren. Ebenfalls wird diese Woche von vielen Menschen auch als Zeit für Reflexion und Aufarbeitung genutzt.

Falls ein Völkermord in Rwanda einigen nicht bekannt sein sollte, hier einige Informationen zum Hergang:
Am 06.04.1994 begann der Genozid, bei welchem der Volksstamm der Hutu-Mehrheit zwischen achthunderttausend und einer Millionen Menschen (größtenteils vom Volksstamm der Tutsi) ermordeten.
Die Unterschiede der beiden Volksgruppen bestand darin, dass die Tutsi sich größtenteils mit Viehzucht beschäftigten,  die Hutu jedoch von Ackerbau lebten. Somit waren die Hutu den feudalen Grundherren der Tutsi unterstellt. Die größten Unterschiede wurden aber von den Europäern festgesteckt. Vor allem die Deutschen und die Franzosen haben zu der Zeit durch Stikmata die Unterschiede immer wieder benannt und versuchten die Volksstämme dadurch zu spalten. Die Menschen wurden auch durch äußere Merkmale und durch deren Reichtum eingeteilt in die beiden Gruppen. Es ging sogar soweit, dass es in den Personalausweisen der Menschen stehen musste, zu welchem Stamm sie gehörten.
Bereits durch die Eroberer in der Kolonialzeit gab es politische Unstimmigkeiten in Rwanda. Selbst nach dem Erlangen der Unabhängigkeit im Jahre 1962 entspannten sich die Meinungsverschiedenheiten nicht. Am 06.04.1994 wurde ein Flugzeug mit dem ruandisch/burundischen Präsidenten (welcher den Hutu angehörte) abgeschossen und dies gab den Startschuss für den Genozid. Wer für den Flugzeugabschuss verantwortlich ist, konnte bis heute nicht geklärt werden.

In der „memorial-week“ finden die verschiedensten Zeremonien und Veranstaltungen statt, zu der die Bevölkerung und alle Interessierten eingeladen sind.
Beispielsweise beginnt die Woche mit einem „walk of remember“, bei dem sich die Menschen gemeinsam auf den Weg zum Stadion machen, um dort an einer großen Gedenkfeier teilzunehmen. Diese wird beispielsweise durch Reden von Zeitzeugen und Gedenkminuten mit verteilten Kerzen als symbolisches Licht gestaltet.
Auch im Laufe der Woche gibt es immer wieder Veranstaltungen, wie beispielsweise Künstler, die zu einer speziell angefertigten Ausstellung einladen, oder das Genozid-Memorial, welches speziell in der Woche als Treffpunkt für alle Menschen dient, die bewusst um ihre Angehörigen oder Freunde trauern möchten. Es ist während der Woche beispielsweise erlaubt Blumen oder Gaben auf die Massengräber des Memorials zu legen. Während des restlichen Jahres ist dies nicht möglich.
Zudem sind zu Beginn der Woche beinahe alle Geschäfte geschlossen und sie öffnen im Laufe der Woche nach und nach wieder. Allgemein scheint die Stadt und das Leben in dieser Woche „herungtergeschraubt“ zu sein und langsamer zu laufen, als normal.

Für uns persönlich ist es unfassbar schwer nachvollziehen zu können, was in den Menschen vorgehen muss, die einen solchen Genozid miterlebt haben. Beinahe jede zweite Person, der wir auf der Straße begegnen, hat dieses Unglück miterlebt, da es nur 25 Jahre her ist. Wir glauben, dass es unfassbar viel Kraft und Stärke als Mensch aber auch als gesammtes Land braucht, solche Erfahrungen reflektieren und aufarbeiten zu können. Wir wünschen allen Betroffenen diese Kraft.
Neben dieser Woche gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Geschehene zu verarbeiten. Zu dem Memorial-Center gibt es Orte wie Kirchen, die als Museen fungieren da dort ein Massentöten stattgefunden hat. In der Zeit in der wir hier sind hatten wir viele Möglichkeiten mit Betroffenen zu reden. Manche Menschen reden offen über ihre Ehrfahrungen. Sie alle versuchen nach vorne zu schauen und sich als Ruander zu verstehen. Es wird nicht mehr über Hutu und Tutsi gesprochen. Sie reden über diese schlimme Zeit, auch mit außenstehenden, aber versuchen ihren Mitmenschen nichts nachzutragen. Wir hoffen, dass das ganze Land nach vorne schauen kann und, dass sich ein Genozid nie wiederholt.


Wir möchten im Anschluss noch ein Interview mit einem Rwander anfügen, welcher den Genozid als kleiner Junge miterlebt hat:



Donnerstag, 18. April 2019

Inklusion in Ruanda



Moin Moin !

Es gab eine Veränderung im Center. Eine Schülerin unserer Klasse des Centers geht nun auf die gegenüberliegende Grundschule. Wir und auch die Achtjährige selbst freuen uns riesig über diese Chance für die nun frisch gebackene Grundschülerin.

Die Achtjährige hat eine Entwicklungsverzögerung. Sie hat Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und die verbale Sprache fällt ihr schwer. Die Chance, die ihr nun offensteht ist, dass sie in Kontakt mit anderen Kindern ausserhalb des Centers tritt, sie mit ihnen spielen und von, sowie mit ihnen lernen kann. Der erste Schritt der Inklusion ist dadurch gemacht.

Wir haben sie am Dienstag, den 26.03., in der Grundschule zusammen mit Constantine, der Lehrerin des Centers, und einer Ordensschwester besucht. Es gibt in der Klasse (nach eigener Zählung) ca 55 Schüler im Alter von 4 bis 5 Jahren, welche uns mit Gesang begrüßt haben.

 Die Grundschuhllehrerin hatte die Gelegenheit genutzt, mit Constantine und der Schwester zu sprechen. Sie erzählte, wie sich die Achtjährige verhält. Laut ihren Angaben sei unsere Schülerin aus dem Center von den anderen Mitschülern gut angenommen worden und sie spiele gerne in den Pausen mit ihnen gemeinsam. Dabei lache und bewege sie sich viel. Allerdings sei sie im Unterricht sehr still. Sie spreche gar nicht, auch bei Aufforderung würde sie es nicht versuchen und sie hätte große Schwierigkeiten beim Schreiben. Dadurch wisse die Grundschullehrerin nicht, inwieweit sie dem Unterricht folgen kann, da das Wissen weder schriftlich noch mündlich abgefragt werden könne. 

Außerdem möchten wir ebenfalls erwähnen, dass die Grundschullehrerin nicht im Bereich Sonderpädagogik ausgebildet ist, dennoch scheinbar sehr positiv auf die achtjährige eingeht.

Für uns hat es überwiegend Vorteile, dass die Schülerin die Grundschule besucht, da es ihr sichtlich gut tut mit anderen Kindern ihren Alters in Kontakt zu stehen. Außerdem hat sie sich schon gut in der Schule eingelebt und sie kommt Mittags meistens mit einem Strahlen nach Hause und möchte von dem Schultag berichten.

Stolz zeigte uns die Achtjährige ihr erstes Zeugnis.



Eine weitere Frau mit einer körperlichen Einschränkung ist nun seit 5 Jahren in der des Centers gegenüberliegenden Schule. Sie geht auf die High Level Secondary School -  in die hier sogennante „Senior 5“ (eine Weiterführenden Schule, in die 11 Klasse, in Ruanda geht man sechs Jahre in die Grundschule und sechs Jahre in die Weiterführende Schule). Ihre Diagnose ist Ataxie, welches ein Oberbegriff für unterschiedliche Störung der Koordination von Bewegungen des Körpers ist. Die 22-jährige hat Schwierigkeiten beim Laufen und Sprechen.

Im Folgenden haben wir ein Interview mit ihr auf englisch geführt und dieses Gespräch übersetzt. Es geht vor allem darum, wie sich ihre Klassenkameraden und Lehrer ihr gegenüber verhalten und, wie sie in der Schule im allgemeinen zurechtkommt.



Interview:

Wie ist deine Familiensituation und warum lebst du im Center:

Ich habe einen Bruder. Er ist 27 Jahre alt und er hat eine Frau und ein Kind. Er lebt nicht mehr bei meiner Mutter, sondern in Butare mit seiner Familie. Mein Vater ist gestorben, als ich noch ein Baby war. Meine Mutter bewirtschaftet das Feld an ihrem Haus. Das Geerntete wird selber verwendet oder verkauft. Damit macht sie das nötige Geld zum Leben. Sie lebt in Luhango.

Ich lebe seit 5 Jahren hier in Gahanga im Center, seit ich hier zur nahgelegenen Schule gehe. Ich mag es sehr hier im Center zu leben, die Menschen hier sind jetzt meine Familie. Meine Mutter kommt mich in den Ferien besuchen oder manchmal komme ich auch zu ihr.

Was sind deine Lieblingsfächer in der Schule?

Meine Lieblingsfächer sind Literatur, Kiswahili, Kinyarwanda und Musik.



Was magst du am liebsten an der Schule?

Ich lerne gerne neue Sachen und ich singe gerne zusammen mit meinen Klassenkameraden. Ich mag es auch Hausaufgaben zu machen nach dem Unterricht.



Wie begegnen dir die anderen Menschen in den verschiedenen Situationen in der Schule?

Ich mache die gleichen Aufgaben wie meine Klassenkameraden und die Lehrer unterstützen mich in den Klausuren. Ich diktiere ihnen was sie aufschreiben sollen oder ich tippe das Examen mit einem Laptop. Dafür bekomme ich dann weitere Zeit zur Verfügung gestellt. Meine Freunde helfen mir auch viel, sie unterstützen mich dabei, Stufen und Hindernisse mit meiner Gehhilfe zu laufen und bringen mich auch zurück nach Hause ins Center. Sie tragen meine Tasche, damit ich leichter laufen kann und ich bekomme die Mitschriften meiner Freunde oder Lehrer mit.

Mir fremde Menschen bzw die anderen Schüler*innen starren mich aber an. Das mag ich nicht und ich schäme mich dann, aber wenn meine Freunde dabei sind geht es.



Denkst du, dass deine Einschränkung dich bei etwas stoppt/ Hast du mehr Schwierigkeiten in der Schule als deine Klassenkameraden?

Nein, ich bin genauso gut, wie meine Klassenkameraden! In der Klasse habe ich keine Angst, sogar wenn ich etwas vor der Klasse vorstellen muss, habe ich keine Angst. Nur im Kiswahili-Kurs habe ich Angst vor dem Vorstellen, weil ich nicht so gut in dieser Sprache bin. Aber ich versuche alles.



Was möchtest du nach der Schule machen?

Ich möchte Journalistin hier in Rwanda werden für die Zeitung „New Times“. Ich möchte andere Menschen interviewn und mich mit ihnen oder Firmen unterhalten. Am liebsten möchte ich im Berreich Musik und Kunst arbeiten. In vier Jahren werde ich also das Studium an einer Universität beginnen. Hier in Rwanda kann man Journalismus an der Universität in Butare studieren, wo auch mein Bruder lebt.






Insgesamt haben wir den Eindruck, dass der Gedanke der Inklusion nicht weit entfernt ist. Zwar hat nur die Minderheit der Menschen hier in Ruanda Berührungspunkte mit Menschen, die mit einer Behinderung leben. Mehr Lehrer müssten im Bereich Sonderpädagogik ausgebildet werden, damit es noch mehr Menschen mit einer Beeinträchtigung erleichtert wird, in eine Schule gehen zu können. Wir wollen, dass noch mehr der Bewohner des Centers in Schulen untergebracht werden, allerdings wurde uns bis jetzt vermittelt, dass es momentan nicht möglich ist, wenn die Person sich nicht eigenständig fortbewegen kann oder selbst schreiben kann. Wir werden es weiterhin versuchen, Schwierigkeiten bleiben dennoch erstmals bestehen, da es leider keine Heilerziehungspfleger, Inklusionshelfer oder persönliche Assistenten etc. gibt. Sobald sich Umstände und Denkweisen ändern, kann Inklusion ein funktionierendes Instrument sein.



Nach dem hoffentlich nicht zu erschlagenden Text wünschen wir euch nun Frohe Ostertage und eine wunderschöne Zeit mit euren Familien und Freunden. Wir sind von einer ruandischen Familie zum Osteressen eingeladen und wir sind schon sehr gespannt was es hier in Ruanda zu Ostern wohl zu Essen gibt und welche Traditionen so auf uns zukommen werden. Ostereier suchen werden wir dieses Jahr nicht, aber Osterpackete aus der Heimat sind schon angekommen.

Samstag, 30. März 2019

Kinonachmittag und Übernachtung im Center !




Hallo Zusammen!

Uns geht es sehr gut und nach dem letztrigen Organisationschaos haben wir etwas Abwechslung gebraucht. Es ging weiter mit dem Organisieren, allerdings war es dieses mal ein Beamer, der für eine kleine Überaschung für die Bewohner diente...

Am Mittwoch, den 27.03., haben wir ein Kino- Nachmittag für alle Bewohner des Centers veranstaltet. Dazu wurde ein Teil des Physiotherapieraumes in einen kleinen Kinosaal verwandelt. Wir haben zusammen „Das Jungelbuch 2“ geschaut. Auch ein kleiner Snack durfte nicht fehlen, dafür wurde aus einem Supermarkt in der Stadt Kigali eine Menge Joghurt geplündert.

Wir wollten auch schon immer wissen, was eigentlich passiert, nachdem wir gegen halb fünf das Center verlassen und bevor wir morgens um neun Uhr ankommen. Dafür hatten wir unsere Oberschwester Sr. Emeritha gefragt, ob wir im Center übernachten könnten. Sie hat es akzeptiert und somit sind wir nach dem Kino-Nachmittag über Nacht geblieben.
Der Film lief von drei bis fünf Uhr, abgerundet wurde er anschließend von einer Diashow von Fotos, die wir während den latzten Monaten im Center gemacht haben. Ab fünf Uhr haben wir angefangen den Bewohnern das Essen anzureichen. Nach beenden des Essens wurden die Bewohner dabei unterstützt, sich zu waschen, umzuziehen und sich „bettfertig“ zu machen. Bis um sieben Uhr waren viele, vor allem die Kinder, im Bett und haben geschlafen. Einige der Erwachsenen sind weiterhin aufgeblieben und haben auch mit dem „sich bettfertig“ machen gewartet.

Um sieben Uhr versammelten wir uns zusammen mit den Schwestern und Postulantinnen zum abendlichen Gebet in der centereigenen Kapelle. Bis um viertel nach acht wurden Gebete gesprochen, gesungen und die Lesung, sowie das Evangelium gelesen. Danach gingen wir alle zum gemeinsamen Abendessen. In der Zwischenzeit wurden die Bewohner von einer Schwester und einer Postulantin betreut. Nach dem Abendessen versammelten sich die Schwestern und Postulantinnen zum abendlichen Meeting. Wir beide haben die Erwachsenen, die noch auf waren, zu einem weiteren Film eingeladen. Wir haben bis um Elf Uhr „Alice im Wunderland“ geschaut. Sehr müde sind wir dann alle von der Oberschwester ins Bett geschickt worden.

Für uns beide wurde eines der Gästeräume im Center, das neben dem Büro der Oberschwester liegt, vorbereitet. Auch warmes Wasser wurde für uns und die Bewohner schon bereitgestellt. Dieses wurde am Nachmittag über ein Feuer erhitzt, in Kanister gefüllt und mithilfe von Decken über die Nacht warmgehalten, um sich am folgenden Morgen damit waschen zu können.

Am nächsten Morgen sind ein Teil der Schwestern und Postulantinnen um sechs Uhr zum morgendlichen Gebet in die nahgelegene Kirche gegangen. Der andere Teil hat angefangen die Bewohner bei der morgendlichen (warmen!:) ) Dusche zu unterstützen. Wir sind um halb sieben aufgestanden und haben den bereits geduschten Bewohnern das Frühstück, bestehend aus Keksen und Porridge, einem Brei aus Getreide, Wasser und Milch, angereicht. Wir frühstückten um acht zusammen mit der Oberschwester. Zu dieser Zeit haben die Bewohner sich die Zähne geputzt. Gegen halb neun startete der Unterricht für die Schüler und auch der Physiotherapeut hat seine Arbeit angefangen.

Für uns war es sehr interessant zu sehen, was jeden Tag in unserer Abwesenheit passiert. Die Schwestern und Postulantinnen haben einen sehr anstrengenden 24/7 Job. Unser größter Respekt gilt ihnen, die jeden Tag alles für die Bewohner des Centes geben. Wir konnten am Donnerstag um halb fünf Feierabend machen und nach Hause gehen. Sie wohnen dort allerdings und sind immer für die Bewohner da.

Vielen Dank!


Montag, 18. März 2019

Workshop mit Ines !


Hallo alle Zusammen!

 Nach einigem Organisationschaos können wir uns auch mal wieder melden... ;)

Von Montag dem 11.03. bis Mittwoch dem 13.03. haben wir zusammen mit Ines, von der Organisation Humanity & Inclusion, einen Workshop für die Schwestern und Postulantinnen organisiert. Teilgenommen haben dabei auch Schwestern aus anderen Centern der Ordensgemeinschaft. Alle drei Tage empfanden wir als sehr intensiv und informativ. Viele der Schwestern und Postulantinnen des Ordens haben im Allgemeinen keine Ausbildung absolviert, wodurch der Workshop eine sehr gute Chance für sie bot, vieles über Menschen, die mit eine Beeinträchtigung leben, zu lernen und ihren eigenen Umgang und ihr Handeln zu reflektieren und den Ergebnissen entsprechend zu verändern, falls gewollt. Gleiches gilt natürlich auch für uns, als Freiwillige.

Ines selbst ist eine ausgebildete Physiotherapeutin, die sich ein Jahr in Indien im Berreich Zelebralparese (Dieses ist eine Störung der Körperkoordination) spezialisiert hat. Momentan arbeitet sie für die Organisation Humanity & Inclusion. Diese Organisation wurde vorher Handicap International genannt und steht für die Rechte von Menschen, die mit einer Beeinträchtigung leben, ein.

Die Morgende haben jeweils mit theoretischem Input begonnen, welcher am Nachmittag von praktischen Übungen abgelöst wurde. Zwei Gruppenarbeiten während den theoretischen Teilen brachten Abwechslung und die Teilnehmer/-innen konnten vorhandene Problematiken, welche in dem Center vorliegen, sammeln und Lösungsansätze finden. Begonnen und beendet wurde der Workshop mit einem Test, um sich zum Einen genau auf Wissenslücken fokussieren zu können und zum Anderen das gewonnene Wissen zu verinnerlichen.

Der Workshop wurde in Kinyarwanda, der Landessprache Ruandas, gehalten. Für uns haben die Lehrerin und der Physiotherapeut übersetzt, da unsere Kenntnisse in Kinyarwanda für tiefgreifend fachliche Themen noch nicht ausreichend vorhanden sind. Danke, für für die Übersetzung !
Die wesentlichen Themen in dem theoretischen Teil:



-Was eine Behinderung überhaupt ist
-Was die Gründe der Entstehung einer Beeinträchtigung sein können -Was die Probleme und Barrieren von Menschen mit einer Beeinträchtigung und ihren Familien im Alltag sind

Es wurden aber auch Fragen wie: „Darf ein Mensch mit einer Behinderung Schwester in einem Orden werden oder in der Kirche heiraten?“ von der Referentin Ines gestellt und diskutiert. Herausgestochen ist hierbei der Satz: „Disability is not inability“. Dieses Bedeutet, dass ein Mensch mit einer Beeinträchtigung nicht unfähig ist, sondern vieles schaffen und erreichen kann. Zudem wurden Unterthemen, wie Conflict-management behandelt und es wurde speziell auf das Center geschaut. Dabei konnten zunächst Probleme und Herausforderungen gesucht und gemeinsam für diese einzelnen Punkte Lösungen gesucht und nach Tipps geschaut werden. Weiterhin  wurde das Thema Autismus und der Umgang damit behandelt.

In der Praxis wurde vor allem das richtige Anreichen von Essen, das Umkleiden, das Zähneputzen und die richtigen Sitz-/Liege- und Standpositionen trainiert. Wichtig war hierbei auch das Thema Kommunikation. Ines zeigte uns allen, wie man sich die Zeit für jede*n Einzelne*n nimmt und ihnen in jedlichen Situationen erklärt, was gerade gemacht wird und passiert. Außerdem wurde darauf geachtet, dass die betreuende Personen auch auf sich selbst und vor allem ihren Rücken achtgeben müssen. Dafür wurden Techniken des Hebens und Tragens erlernt.




Wir danken Ines sehr für ihre Zeit und ihren super strukturierten und hilfreichenden Workshop. Wir sind uns sicher, dass die Schwestern, Postulantinnen und wir viel daraus mitnehmen werden und uns allen nun mehr bewusst ist, wie wir das Leben im Center durch unser Verhalten und unseren Umgang mit den Menschen erleichtern und verbessern können.
Außerdem möchten wir auch allen Teilnehmer/-innen für die Motivation, die Offenheit und die gelungene Zusammenarbeit danken!


Murakoze cyane!

Sonntag, 27. Januar 2019

Wir sind zurück.

Wir sind wieder zurück in Rwanda/Kigali , unserer zweiten Heimat, und wir freuen uns riesig alle Freunde, Bekannte und natürlich das Center mit allen Beteiligten wiederzusehen. Einen ganzen Monat waren wir unterwegs und haben unglaublich viel erlebt und gesehen.
Um euch einen einen Eindruck zu geben, was in der langen Zeit passiert ist, geben wir euch einen kleinen Überblick:

Weihnachten & Jahreswechsel
auf Zanzibar gemeinsam mit 12 weiteren Freiwilligen des Bistum Münsters, welche in Tanzania Sumbawanga, Tanzania Iringa, Südafrika und Uganda eingesetzt sind.






Zwischenseminar
in Tanzania/Bagamoyo vom 03.01. bis zum 10.01. gemeinsam mit den bereits erwähnten Freiwilligen, 4 weiteren Freiwilligen der  Organisation "Eine Welt Netz" und ehemaligen Freiwilligen als Seminarleiter/innen.
Die behandelten Themen waren:

03.01. Donnerstag:
- Anreise+Ankommen
- Kennenlernen, Befindlichkeit
- Orga +Plannung

04.01. Freitag:
- Reflektion: ein Blick auf mich und meine letzten Monate --> "Fieberkurve"
- Klimawandel, Umweltzerstörung
- Abendimpuls: Film "Tomorrow"

05.01. Samstag:
- Projektgespräche: Gruppen-/ Partner- und Einzelgespräche
- Erwartungsdruck
- Leseecke

06.01. Sonntag:
- Kolonialismus und Geschichte Bagamoyos
-Rassismus, Privilegien und Perspektive hält
- Abendimpuls: Film "Blickwechsel"

07.01. Montag:
- kritischer Blick auf Freiwilligendienste und Entwicklungszusammenarbeit / Verantwortung
- Nord-Süd-Süd-Nord: Austausch und Diskussion/ Workshop mit den Leitern der tansanischen Organisation: Tanzania Youth Coalition (TYC)

08.01. Dienstag:
- Gruppengespräch über verschiedene Themen, neue oder schon behandelte
- Verantwortung + Handlungsperspektiven
- weiteres Gruppengespräch: über Umwelt, Berufsfindung oder Rassismus (Kleingruppen)
- Abendimpuls: Film " The Butterfly-Circus"

09.01. Mittwoch:
- Ein Blick in die Zukunft/ 2. Halbjahr --> Ziele und Wünsche
- Rückkehr nach Deutschland /Abschied im Projekt

10.01. Donnerstag:
- Gestärkt zurück ins Projekt
- Abschluss + Abschied
- Abreise
Das Seminar war für uns super bereichernd. Es hat uns unglaublich viele Denkanstöße mitgegeben, die wir auch mit in unseren Alltag nehmen möchten. Auch der intensive Austausch über gleiche aber auch gegensätzliche Erfahrungen und Meinungen mit den anderen Freiwilligen war für uns absolut positiv.
Insgesamt hat diese Zeit unsere Freiwilligengruppe nocheinmal um einiges gestärkt.
Danke an alle, die das Seminar so besonders gemacht haben !!


Tanzania Sumbawanga und Iringa
Nach dem Seminar haben wir unsere Mitfreiwilligen aus Sumbawanga und Iringa besucht und ihre Projekte kennengelernt. Es war gut, die Projekte und auch die Umgebung kennenzulernen, in denen die Freiwilligen ihr Jahr verbringen, um beispielsweise Erzählungen besser nachvollziehen zu können und für uns war es zudem sehr spannend noch weitere Orte kennenlernen zu können.

Für alle, die Interesse haben, sind hier nocheinmal die Adressen der Projekte:
Iringa: https://welcometoiringa.worldpress.com/
Sumbawanga: https://sumbawangat4nsania.worldpress.com

Damit endet unser Reisemonat und wir können motiviert in die zweite Hälfte des Freiwilligendienstes starten ! 


Freitag, 11. Januar 2019

Vorurteile..

Mit diesem Blogeintrag möchten wir ein Thema ansprechen, welches uns während unserer Reise, besonders im Zwischenseminar aber auch auf Zanzibar besonders beschäftigt hat.
Dazu möchten wir euch einen Ausschnitt aus unserem Urlaub erzählen:
Wir kamen ein paar Tage vor Weihnachten in unserer Unterkunft mit insgesamt 14 deutschen Freiwilligen auf Zanzibar an. Der Strand war nur 5 Fußminuten entfernt und alle freuten sich, die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel gemeinsam feiern und genießen zu können. Konkret bedeutet dies: Tagsüber zum Strand - Abends feiern, auch mal ein bis zwei Bier trinken und die gemeinsame Zeit genießen, nachdem man sich 5 Monate nicht mehr gesehen hatte.
Kurz nach unserer Ankunft zog eine 5-köpfige Familie ebenfalls in die Unterkunft ein. Vater, Mutter und 3 Söhne im Alter von 9,9 und 10 Jahren.
Schnell fiel vielen von uns auf, dass die Kinder sich stundenlang mit Tablets beschäftigten und wir begannen uns zu wundern, wie das sein konnte. Wenn wir uns nach dem Frühstück direkt auf den Weg zum Strand machten, waren die Jungs bereits an ihren Tablets und wenn wir gegen Mittag wieder zum Hotel kamen, saßen sie noch immer an ihren Tablets.
Es taten sich regelrechte Diskusionen in unserer Runde auf, mit Themen, wie:
"Wie kann man einen Urlaub nur so verbringen?"
"Wie kann man seine Kinder nur so erziehen? - Ran an's Tablet und die Eltern können chillen"
"Wie halten die Kinder es aus, ohne etwas vom Strand oder der Umgebung gesehen zu haben? - Wahrscheinlich haben sie es nicht anders gelernt."
"Wie kann man überhaupt jedem seiner 3 Kinder ein Tablet kaufen und dann auch noch selbst eins besitzen?"
"Typisch Amerikaner" etc...

An Heiligabend hatten wir als Freiwilligen-Gruppe zusammen in unserer Unterkunft gekocht und luden die besagte Familie zum gemeinsamen Essen ein. Es war ja schließlich Weihnachten und die Kinder sollen den Abend schön verbringen können.
Die Eltern schienen über die Einladung sehr überrascht aber nahmen sie gerne an.

Während des Essens führten wir das erste Mal ein richtiges Gespräch mit der Familie und schon nach wenigen Minuten wurde uns klar, dass all unsere Diskussionen und Gedanken absolut überflüssig waren.
Die Familie erzählte uns, dass sie gemeinsam auf Weltreise sind, um die Welt zu erkunden und Kulturen aktiv kennenlernen zu können. Aus dem Grund sitzen die Kinder am Vormittag auch vor ihren Tablets: Die Eltern geben ihnen nämlich Privatunterricht und so können sie digital auf Bücher und Aufgaben zugreifen. Auch während Konversationen mit den Kindern direkt stellte sich heraus, dass jeder von ihnen unglaublich intelligent ist und für das entsprechende Alter einen extrem hohen Wissensstand und zudem außerordentliche soziale Kompetenzen besitzen.

Tatsächlich stellte sich einige Tage später bei einem weiteren Gespräch mit der Familie heraus, dass auch sie sich vor Heiligabend und der ersten Unterhaltung ein Bild von uns gemacht hatten. Sie dachten, dass wir ein Haufen junger Erwachsener sind, die ausschließlich zum ausgiebigen Feiern nach Zanzibar gekommen sein. Die Rolle als Freiwillige hätten sie uns anfangs nicht zugeschrieben.

Im Nachhinein kreisten sich die Themen unserer Diskussionen um:
"Wie konnten wir uns die Geschichte der Familie zurechtlegen, bevor wir überhaupt mit ihnen gesprochen hatten?"
"Dabei waren wir uns alle ziemlich sicher, dass wir als eine grundsätzlich sozial eingestellte Gruppe reflektiert denken."
"Woher nehmen wir uns ein solches Recht?"
"Beeinflussen Vorurteile tatsächlich so stark unser alltägliches Leben?" etc...

Uns hat dieses Treffen sehr zum Denken angeregt und wir sind froh, diesen Spiegel vorgehalten bekommen zu haben. In Zukunft möchten wir mehr darauf achten, wie voreilig wir Schlüsse ziehen, um Missverständnisse direkt vermeiden zu können und vielleicht entstehen durch mehr Kommunikation und Offenheit viele tolle und überraschende Begegnungen, wie diese es zuletzt auch wurde.

Für alle Interessierten hier die Blogadresse der Familie :

https://tesseractworldschool.wordpress.com